Heilpflanzen Herbst: der Beinwell - Der Heiler bei Zerrungen, Prellungen und Verstauchungen

Synonyme

Botanisch: Symphytum officinale, (von griechisch: symphytos = zusammengewachsen, zugeheilt)

Historisch auch: Consolida major

Volkstümliche Namen: Gewöhnlicher Beinwell, Arznei-Beinwell, Gemeiner Beinwell, Wallwurz, Schwarzwurz (nicht zu verwechseln mit dem Gemüse Schwarzwurzeln)

Englisch: Comfrey, Französisch: Grande Consoude

 

Inhaltsstoffe

Allantoin, Gerbstoffe, Schleimstoffe, Asparagin, Alkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Harz, Kieselsäure, Pyrrolizidinalkaloide, Stigmasterol

 

Indikationen

Beinwell ist in der heutigen Naturheilkunde für viele äußerliche Beschwerden kaum wegzudenken. Die Wurzeln, sowie in geringeren Mengen auch die Blätter, enthalten medizinisch wirksame Inhaltsstoffe. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, schmerzlindernd, schwellungsmindernd, antibakteriell und fördern die Zellneubildung und damit die Regeneration von Gewebe.

 

Die positiven Wirkungen von Beinwell auf Beschwerden des Gelenk- und Bewegungsapparates sind wissenschaftlich gut untersucht. Hierzu gehören u.a. auch degenerative Gelenkerkrankungen wie die Osteoarthritis. Für die folgenden Krankheiten und Beschwerden ist eine äusserliche Anwendung von Beinwell induziert.

 

 

Wurden früher Beinwellwurzel und -blätter genutzt, kommt heute ausschließlich die Wurzel (Symphyti radix) zur Anwendung. Aufgrund der enthaltenden Pyrrolizidinalkaloide, die wahrscheinlich lebertoxisch wirken, sollte Beinwell nicht mehr innerlich in Form von Tees oder Tinkturen eingenommen werden. Gebräuchlich sind daher Wickel und Umschläge sowie selbst zubereitete oder gekaufte Salben.

 

Kontraindikation

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 2 Jahren. Nur auf intakter Haut anwenden, da die Pflanze toxische Inhaltstoffe enthält.

 

Tipp

 

Stellen Sie Ihre eigene Salbe aus Beinwellwurzeln für Ihre Hausapotheke her. Die Beinwellsalbe hilft sehr gut bei Verstauchungen und Prellungen!

 

Beinwell-Salbe

Für die Herstellung der Beinwellsalbe brauchen Sie als Basis zunächst einen Ölauszug mit Beinwellwurzel.

 

Beinwell-Öl

1. Ca. 250 g Beinwellwurzel waschen und in kleine Stücke schneiden. Auf Küchenkrepp trocknen lassen. Geschnittene Wurzelstücke mit Olivenöl in ein desinfiziertes Glasgefäß füllen und verschließen.

2. Vier bis 6 Wochen ziehen lassen. Täglich auf Kondenswasser im Deckel überprüfen, auswischen, wieder verschließen und schütteln.

3. Durch einen Kaffeefilter oder ein Leinentuch filtern und in kleine Flaschen abfüllen

 

Beinwell-Salbe

Sauberkeit ist bei der Salbenherstellung sehr wichtig, da keine Konservierungsmittel verwendet werden und die Haltbarkeit durch makelloses Arbeiten verlängert wird.

 

Zutaten    

               - 100 ml Beinwellöl
               - 12-15 g Bienenwachs
               - kleiner Topf
               - Glasgefäss
               - langer Löffel oder Glasstab
               - Salbentiegel

 

Zubereitung

1. Beinwellöl in ein Gefäß füllen und im Wasserbad erwärmen.

2. Bienenwachs hinzufügen und rühren, bis es sich aufgelöst hat.

3. Die fertige Salbe in desinfizierte Salbentiegel füllen und erkalten lassen.

4. Salbentiegel verschließen und beschriften.

 

Kühl gelagert hält sich die Salbe ungefähr sechs Monate, je nach Hygiene bei der Zubereitung auch länger oder kürzer. Verwende möglichst kleine Tiegel zum Abfüllen. Ein Spatel zum Entnehmen ist sehr hilfreich, umdie Salbe nicht zu verunreinigen.

 

Beinwell-Breiauflage

Eignet sich bei grösseren Prellungen, z.B. nach einem Sturz, aber nie auf offene Wunden: Die frische Wurzel wird fein zu einem Brei verarbeitet (Mixer). Diesem Wurzelbrei werden einige Tropfen Öl (zB. Olivenöl) beigefügt und gut abgemischt.

 

Beinwell-Badezusatz

Z.B. bei mehreren schmerzenden Stellen: Für Vollbad – ½ kg Beinwell-Blätter (frisch oder getrocknet) wird über Nacht in ca. 5 Liter Wasser kalt angesetzt. Am nächsten Tag wird der Ansatz bis zum Sieden erhitzt und die Flüssigkeit dem Badewasser beigegeben. Für ein Sitzbad verwendet man die halbe Menge.

 

Anwendung Küche

Blüten: Die Blüten kann man zum Beispiel als Deko in einen Wildkräutersalat geben.

 

Blätter: Die Blätter enthalten durchaus nennenswerte Vitalstoffe wie B-Vitamine oder Kieselsäure, sowie sehr hochwertige Proteine und sind in geringen Mengen auch essbar. Es wird jedoch empfohlen, Beinwell selten und nur in geringen Mengen zu verzehren (aufgrund der lebertoxischen Pyrrolizidinalkaloide). Man kann die Blätter in Butter anbraten oder in süssen und herzhaften Eierkuchen verwenden. Geringe Mengen stellen für gesunde Menschen in der Regel kein Problem dar.

 

Botanik

Das Borretschgewächs, der Beinwell, hat seinen Namen von den Beinen (Gebeine, Knochen), denen er gut (well) tut, bzw. deren Knochen er zusammenwallen soll. Er gehört zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Der Gewöhnliche Beinwell (Symphytum officinale) wächst ausdauernd an nährstoffreichen, feuchten und überwiegend sonnigen Standorten in Asien und Europa. Der Beinwell ist schweizweit bis zu einer Höhe von 1000 m. ü. M. verbreitet.

Der Echte Beinwell ist eine typische krautige und mehrjährige Pflanze, die meist Wuchshöhen um die 30-80 cm erreicht, aber bei optimalen Standortbedingungen auch bis zu 110 cm hoch wachsen kann. Das mehrköpfige rübenförmige Rhizom (Wurzelstock) wurzelt bis 1,8 m tief. An der Hauptwurzel sitzen viele feine, teils weißliche Nebenwurzeln bzw. Wurzelhaare. Beinwellwurzeln sind schleimig, innen cremeweiß und außen schwarz. Von der schwarzen Farbe stammt der Trivialname "Schwarzwurz", der aber nicht zur Verwechslung mit dem Gemüse "Schwarzwurzeln" führen darf.

Die Blüten des Gewöhnlichen Beinwells sind glockig, 5-zählig und violett (Ausnahme: gelblich-weiße Blüten bei einer Unterart). In der Blütezeit von Mai bis Juli lässt sich der Beinwell recht einfach erkennen: Der Blütenstand ist mit zahlreichen hängenden Blütenknospen in so genannten Wickeln spiralig eingerollt. Die Blütenkronblätter und die Kelchblätter sind miteinander verwachsen, die Staubbeutel mit den Blütenkronblättern. Einstülpungen („Schlundschuppen“) verengen die Blütenröhre, so dass nur Insekten mit langem Rüssel an den Nektar kommen.

 

Signatur, Wesen der Pflanze

"Alles Innere soll man an dem Äußeren erkennen."

Das Zitat von Paracelsus lässt auch beim Beinwell Rückschlüsse auf das Wesen und die Signatur zu. Die Blattpaare des Beinwells verlaufen am Stielansatz zusammenlaufend und sind derart mit dem Stängel verwachsen, dass sie sich kaum abreißen lassen. Übertragen auf den menschlichen Körper, drückt der Beinwell mit seiner zusammenhaltenden Kraft "Auseinandergeratenes" wieder zusammen. Er zeigt damit die festhaltende Wirkung, mit der Beinwell Knochen und Gewebsverletzungen wieder zusammenfügt.

Die hübschen, zart-violetten Blüten stehen im Gegensatz zu der sonst recht derben und rauen Struktur der Blätter. Die Pflanze zeigt damit auch das Gegenpolige. Sie kann zur gleichen Zeit auflösen und festigen. Die Blüten öffnen sich nicht wie üblich nach oben zur Sonne, sondern zeigen nach unten zur Wurzel, die eine derart Kraft besitzt, dass abgeschnittene Wurzelteile im Boden sogar wieder zusammenwachsen.

 

Geschichtliches

Bereits in der Antike und im Mittelalter arbeiteten Heiler mit Beinwell. Die Pflanze wurde sowohl damals als auch heute bei Prellungen, Verstauchungen oder Knochenbrüchen angewendet. Die bedeutendste Anwenderin von Beinwell während des Mittelalters war Hildegard von Bingen. 

Auch Nicolas Culpeper, ein englischer Apotheker des 17. Jahrhunderts arbeitete mit Beinwell. Er schrieb:

 

"Der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, dass zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht."

 

Plinius der Ältere schreibt in seiner Naturgeschichte ("Naturalis historia"), dass der Beinwell bei Quetschungen und Verrenkungen sowie zur Wundbehandlung ein beliebtes Mittel ist. Die "Materia medica" des griechischen Arztes Dioskurides ist die älteste erhaltene Arzneimittellehre Europas. Dioskurides empfahl bereits damals Symphytum bei äußerlichen Entzündungen und frischen Wunden.

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