Heilpflanzen Sommer: Das Ruprechtskraut - hilft bei Insektenstichen

 

Synonyme

Botanisch: Geranium robertianum; Ruprechtskraut, Robertsgeranium, stinkender Storchschnabel, Gottesgnadenkraut

 

Indikationen

Volksmedizinisch wird der Saft oder eine Abkochung aus der getrockneten Pflanze bei unterschiedlichen Blutungen angewendet, z. B. Nasenbluten, Menstruationsblutungen, Hämorrhoidenblutungen und bei blutenden Wunden. Weitere volksmedizinische Anwendungen sind bei Halsschmerzen, Zahnfleisch- und Mundentzündungen, Entzündungen der Augen sowie Gelbsucht, Wassersucht und bei Steinleiden.

Wissenschaftlich wurde der Pflanze bis dato wenig Beachtung geschenkt.

Gemäss Kalbermatten (2000) kann die Urtinktur des Krautes sowohl zur Entgiftung und Aktivierung der Lymphe, bei Insektenstichen, Ekzemen und bei seelischen Schock- und Lähmungszuständen sowie Traumata angewandt werden.

 

Tipp

 

Verwendung: ganzes Kraut, Wurzel

 

Rezepte

Insektenstiche – Roll-On à 10 ml (40) nach Andrée Rechsteiner: Zur Abschwellung, gegen Juckreiz und zur Schmerzlinderung. Bei einem Insektenstich möglichst sofort mehrmals auftragen. 4 ml Arnikatinktur,  3 ml Storchenschnabeltinktur und 3 ml Ätherisches Lavendel- oder Teebaumöl vermischen.

 

Bei seelischen Schockzuständen: Geranium robertianum ist als Urtinktur im Handel erhältlich (Ceres). Die Urtinktur sollte man 1-3 x täglich je 2-5 Tropfen einnehmen.

 

Burnout / Depression Der Storchschnabel wird als Tee zubereitet, wirkt psychisch aufmunternd und hormonausgleichend.

So wird Ruprechtskraut Tee zubereitet:

2 Teelöffel des getrockneten Krautes (oder 1 Teelöffel der getrockneten Wurzel) mit 2.5 dl kochendem Wasser übergiessen und 5 Minuten beim Kraut, resp. 15 Minuten bei der Wurzel ziehen lassen. Abseihen und 2 mal Täglich eine Tasse Tee trinken.

Überdosierungen sind aufgrund des hohen Gerbstoffgehaltes zu vermeiden!

 

Anwendung Küche

Die Blüten können als Zugabe zu Salaten gegeben werden. Alle anderen Teile des Krauts werden in der Küche nicht angewendet. Der Speisewert der Blüten ist vernachlässigbar.

 

Botanik

 

Artbeschreibung (Flora Helvetica 2018)

10-50 cm hoch, aufsteigend oder aufrecht, meist rot überlaufen, unangenehm riechend. Blätter bis zum Grund handförmig 3-5zählig zusammengesetzt, mit gestielten Teilblättern, diese fiederschnittig. Blüten rosa oder purpurn, Kronblätter mit langem Nagel. Kelchblätter begrannt. Frucht mit Schnabel 1,5-2,5 cm lang.

 

Blütezeit (Flora Helvetica 2018)

5-10

 

Standort und Verbreitung in der Schweiz (Flora Helvetica 2018)

Hecken, Mauern, Schuttplätze, Laub und Nadelwälder (Pahlow, 2001) / kollin-montan(-subalpin) / CH

 

Ökologische Zeigerwerte (Landolt & al. 2010)

334-33+3.t.2n=64

 

Die Art ist schweizweit verbreitet in den Niederungen und Voralpengebiet sowie im Jura. In höheren Lagen fehlt sie.

 

Signatur, Wesen der Pflanze

Die spitz zulaufende Frucht, welche rötlich überzogen ist, wird als Stichwaffe oder Insektenstachel assoziiert. Daraus hat der stinkende Storchenschnabel bei Vergiftungen, insbesondere durch Fremdeinwirkung applizierte wie z. B. Insektenstichen eine ziehende, reinigende und entgiftende Wirkung.

Am unteren Ende der Pflanze sind die Wurzeln, welche kaum verankert in der Erde ruhen. Die Pflanze setzt sich also auf die Erde und kann jederzeit von ihr "abheben“. Aus dieser Signatur ergibt sich die Anwendung bei seelischen Schockzuständen. Seelische oder körperliche Gewaltanwendung oder traumatisierende Erlebnisse können auf seelischer Ebene als analoge „Vergiftungen“ angesehen werden. Bei Schreckerlebnissen oder schweren Verlusten verfallen Menschen oft in einen Schockzustand, der sich als Apathie zeigt. Bei solchen Zuständen ist Geranium robertianum sehr wirkungsvoll.

Die Verwendung als Lymphmittel leitet sich aus den knotenartigen Verdickungen an den Blattachseln ab, welche als Lymphknoten gedeutet werden. Körperlich besitzt Geranium robertianum eine spezifische, aktivierende Wirkung auf den Lymphfluss.

 

Geschichtliches

Dioskurides, welcher das erste bekannte Kräuterbuch schrieb, gab dem Storchenschnabel aufgrund seiner charakteristischen Frucht seinen Namen. Die Pflanze wurde damals u.a. bei frischen Wunden und Stichen verwendet. Auch die Römer fanden Verwendung für den Storchenschnabel, vorwiegend in der Küche.

Ein sehr alter Name für den Storchenschnabel ist Orvale orvale. Die heilenden Kräfte der Pflanze sollen durch die Geister des Wassers und der Luft begründet sein. Sie wurde in den altvorderen Zeiten vor allem für die Tierheilung eingesetzt.

Ihren heute gängigen Namen Ruprechtskraut erhielt die Pflanze vom heiligen Ruprecht von Worms (650-718). Gemäss Erzählungen soll er sich selber von Fisteln und Geschwüren mit dem Ruprechtskraut geheilt haben.

Auch bei Hildegard von Bingen und Paracelsus wurde die Pflanze verwendet, bei von Bingen vorwiegend gegen Steinleiden. Zahlreiche weitere Verwendungsarten werden in den alten Kräuterbüchern beschrieben, welche sich oft auf die austrocknende und adstringierende Wirkung des Storchenschnabels beziehen.

Ruprechtskraut

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