Heilpflanzen Herbst: der schwarze Holunder - eine Vitaminbombe zur Stärkung des Immunsystems

Synonyme:

Botanisch Sambucus nigra; Elderbaum, Fliederbeere, Holder, Holler, Husholder, Keilken, Kisseke, Schwarzholder, Schwitztee.

 

Indikationen

Wissenschaftlich erwiesen ist eine schweisstreibende Wirkung. Die Hauptanwendung ist dementsprechend auch der Schwitztee (aus den Blüten) bei Fieber oder prophylaktisch gegen Erkältungskrankheiten und Grippe. Der aus Holunderfrüchten (-beeren) gepresste Saft ist eines der besten pflanzlichen Mittel zur Stärkung der Immunabwehr bei gleichzeitiger antiviraler Wirkung.

 

Humoralpathologisch gilt der Holunder als warm und trocken (zieht das Wasser aus dem Leib). Auf der seelischen und körperlichen Ebene wird der Holunder eingesetzt, wenn Wärmeprozesse zum Erliegen kommen, nicht ausgeführt worden sind, weil die Luft dazu fehlte. Bei chronischen Erkrankungen ist dies beispielsweise der Fall. Als Grundregel gilt: Krankheiten die mit Entzündungen oder mit der Atmung zu tun haben, werden mit Holunder behandelt. Dies gilt insbesondere bei folgenden Erkrankungen: Erkältungskrankheiten, zur Chronifizierung neigende Entzündungen der Atemwege, Raucherhusten, chronische Sinusitis, fieberhaft grippale Infekte ohne Schweiss.

 

Ein fast vergessenes Einsatzgebiet sind Nervenschmerzen infolge von Nervenreizungen und Nervenentzündungen. Hier ist der Saft das bisher unübertroffene Heilmittel der westlichen Pflanzenheilkunde, insbesondere bei Trigeminusneuralgie und Ischiasneuralgie beziehungsweise Ischiassyndrom. Wenn es in der Natur eine Arznei gibt, die in der Lage ist, geschädigte Nerven zu beruhigen, zu heilen beziehungsweise soweit möglich zu regenerieren, dann ist es Holunderbeerensaft.

 

Volksmedizinisch werden die Holunderfrüchte nebst weiteren Anwendungsgebieten für die Verdauung und den Stoffwechsel eingesetzt. Sie entgiften den ganzen Körper, beseitigen üblen Körpergeruch und tragen so nebenbei zu einer schönen und reinen Haut bei. Der gekochte Saft hilft bei Gastritis, Verstopfung und starken Gärungsprozessen im Darm. Der Genuss der getrockneten Beeren, der daraus gekochte Brei sowie die Wasserabkochung sind wirksame Arzneien gegen starken Durchfall.

 

Holunderblüten lindern rheumatische Schmerzen und helfen, da sie den Harnsäurespiegel senken, auch gegen Gicht.

 

Auch die Rinde kam als Abführmittel (Rinde wird von oben nach unten geschabt, sonst sei sie nicht wirksam) zu Gebrauch. In entgegengesetzter Richtung geschabt, galt sie als Brechmittel.

 

Tipp

Verwendung: Beeren, Blüten, Blätter, Rinde

 

Immunstärkung für die kalte Jahreszeit für Sie und die ganze Familie!

 

Stellen Sie Holunderbeerensaft selber her! So haben Sie gleichzeitig ein schönes, gesundes Naturerlebnis und ein kraftvolles Heilmittel zur Immunstärkung.

 

Mit Dampfentsafter:

Für 2 Liter Saft benötigen Sie ungefähr zwei kg Holunderbeeren.

 

1. Die Holunderbeeren gut waschen und von den Dolden trennen. Sortieren Sie dabei gleich noch grüne oder beschädigte Beeren aus.

2. Den unteren Topf des Entsafters mit Wasser füllen und Holunderbeeren in das Sieb. Das Wasser zum Kochen bringen und ca. 50 min entsaften.

3. Den Holundersaft ablassen und entweder direkt in Flaschen füllen, oder nochmal mit Zucker (vorzugsweise unraffinierter, z.B. Rohrzucker) aufkochen und abfüllen. Pro Liter Saft benötigen Sie, je nach Geschmack, ungefähr 200 g Zucker.

 

Ohne Dampfentsafter:

 

1. Reinigung der Beeren analog Schritt 1 „mit Dampfentsafter„.

2. Die Beeren in einen Topf geben und mit Wasser bedecken. Aufkochen und ca. 10 Min köcheln lassen, bis die Beeren platzen.

3. Den Saft durch ein sauberes Küchentuch abseihen, gut ausdrücken. Tragen Sie dazu Handschuhe, der Saft färbt sehr stark ab. In saubere Flaschen füllen oder analog Schritt 3 mit Zucker aufkochen und dann abfüllen.

 

Dieser Vitaminreiche und stärkende Saft hilft Ihnen und Ihrer Familie zuverlässig durch den Winter!

 

Nehmen Sie 4 mal täglich 15 ml von dem Saft zu sich. Bei vorbeugender Einnahme bricht die Krankheit in den allermeisten Fällen erst gar nicht aus. Ansonsten kann die Krankheitsdauer bei allen Patienten im Schnitt um die Hälfte verkürzt werden.

 

Weitere Anwendungen:

 

Blüten:

Bei fieberhaften oder katarrhalischen Zuständen der oberen Atemwege und Lunge oder zur Vorbeugung, bei Verkühlung etc.: Aufguss resp. Tee trinken.

 

 - Teerezept: ca. 2,5 g getrocknete Blüten (2 Teelöffel) mit kochendem Wasser aufgiessen, 5 min ziehen lassen und abseihen. Mehrmals täglich 1 bis 2 Tassen möglichst heiss trinken. Insgesamt täglich 10 bis 15 g der Droge zu sich nehmen.

 

Bei Erkältung und Grippe, Anfang Frühling zur Vorbeugung von Heuschnupfen: Tinktur;

 - 1 bis 3 mal Täglich 2 – 5 Tropfen in etwas Wasser oder unverdünnt einnehmen.

Bei Mundgeschwüren, Halsschmerzen, Mandelentzündung: Mundspülung, Gurgelwasser.

 

Beeren:

Prophylaktisch gegen Erkältungen und bei Rheuma: Die Beeren werden als Sirup, Saft oder Mus in Kombination mit anderen Schleimlösenden Kräutern (z.b. Thymian) angewandt.

 

Bei Herpes zoster wird zusätzlich zu weiteren Tinkturen und Tees aus Pflanzen der Holundersaft als Heilmittel angepriesen.

 

Rinde:

Die Rinde ist ein wirksames Mittel zur Leberstimulation, wurde früher häufig bei Verstopfung und Arthritis eingesetzt (heute kaum noch).

 

Blätter:

Früher wurde aus den Blättern eine Holundersalbe hergestellt und bei Prellungen, Verstauchungen, Wunden und Hämorrhoiden eingesetzt.

 

Während der Schwangerschaft die stark abführende Rinde meiden!

 

Tee und Tropfen wirken besonders gut, wenn sie schon bei den geringsten Anzeichen einer Erkältung bzw. viralen Infektion (leichte Kopf- und Gliederschmerzen, wundes Gefühl in den Bronchien, beginnender Schnupfen) eingenommen werden.

 

Anwendung Küche

Blüten (Mai bis Juni): Als Sirup, Aufstrich, Tee, in Essig, Wein, Süssspeisen, ausgebacken etc.

Blütenknospen (April bis Mai): die abgekochten Blütenknospen können wie Pickles eingemacht werden.

Beeren: Als Mus, Sirup, Saft, Aufstrich, getrocknet im Müsli, etc.

Hinweis: Roh rufen die Beeren und Blüten Durchfall und Übelkeit hervor. Gekocht sind sie unbedenklich.

 

Botanik

 

Artbeschreibung (Flora Helvetica 2018)

Bis 7 m hoher Strauch oder Baum. Äste mit weissem Mark. Blätter gegenständig, gefiedert, mit meist 5 Teilblättern, diese breit-lanzettlich, zugespitzt, fein gezähnt, meist asymmetrisch, 5-10 cm lang. Blüten in wenig gewölbten doldigen Rispen. Krone weiss oder gelblich-weiss, verwachsen, mit undeutlicher Röhre und 5 breiten Zipfeln, Durchmesser 5-7 mm. Staubblätter gelb. Fruchtstand überhängend. Frucht eine kugelige, schwarze Beere, Durchmesser 4-6 mm.

 

Blütezeit (Flora Helvetica 2018)

5-6

 

Standort und Verbreitung in der Schweiz (Flora Helvetica 2018)

Waldschläge, Gebüsche, oft auch angepflanzt / kollin-montan / CH

 

Ökologische Zeigerwerte (Landolt & al. 2010)

3+w44-33+3.n-p.2n=36

 

Signatur, Wesen der Pflanze

Der Holunder gehört zu den grossen Mysterienpflanzen. Er steht für eine geistige Entwicklung, vom Jugendalter zum Erwachsenendasein. So sind denn auch die jungen, frischen Zweige grün und voller Saft, stets nach oben strebend. Der Geruch erinnert an mottendes Feuer, dem es an ausreichender Luftzufuhr fehlt. Im zweijährigen Stadium verholzen die Zweige und beugen sich bogenförmig wieder nach unten. Das Mark ist schwammig und porös, ähnlich wie Styropor. Nun zeigen sich erste Lufteinschlüsse im Mark. Im späteren Wachstum erscheint die Borke greisenhaft alt, während die Zweige sich noch weiter dem Boden annähern. Im Frühling präsentiert sich die reiche Blütenpracht in weissen Dolden mit gelbem, an Schwefel erinnerndem Sporenpulver. In den Abendstunden ist der süssliche Blütenduft am intensivsten. Im Herbst hängen die schwarzen Beeren schwer an den Dolden.

Das Hauptthema der Signatur des Holunders ist das Thema Lebensenergie. Es symbolisiert einen geistigen Reifungsprozess, einen Wärmeprozess. Erwachsen werden, Verantwortung übernehmen und geistige Reife erlangen ist nur in dem Masse möglich, wie sich die Lebensenergie transformieren kann. Dies führt dazu, dass die jugendliche Vitalität abnimmt und sich ein Älter- und Reiferwerden einstellt.

Entwicklungsprozesse erfordern immer auch eine Neuorientierung. Alte Konzepte und Ziele müssen überdenkt werden, eingefahrene Bahnen, so gut sie am Anfang auch waren, verlassen werden. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung muss die alte Bahn verlassen und eine neue eingeschlagen werden. Nur so kann wirklicher innerer Fortschritt geschehen.

 

Geschichtliches

Der Holunder ist stickstoffliebend und hatte seinen ursprünglichen Standort rund um die Lägerstätten der Grosssäugetiere wie z. B. des Mammuts oder der Büffel in den Taigawäldern. Die Verwendung der Beeren ist seit der Steinzeit nachgewiesen, bei den Pfahlbauten am Bodensee wurden Reste der Beeren gefunden.

Sowohl die Indianer als auch die Osteuropäer verwenden die Blüten seit alters her bei Schwitzhüttenzeremonien als schweisstreibendes Mittel. Dies lässt darauf schliessen, dass die Verwendung der Blüten zu diesem Zwecke schon seit der Altsteinzeit bekannt sein musste. Auch die geschabte Bastrinde war den Jägern u. a. als abführendes und Brechreiz auslösendes Mittel bekannt. Die Blätter wurden mit Fett zu Salben verkocht und bei Frostbeulen etc. eingesetzt.

Bei den Indogermanen galt der Holunder, der der Erdgöttin, Frau Holle, geweiht war, ein Tor zum unterirdischen Reich. Der Holunder steht an der Schwelle von der Mittelwelt (Midgard) zur Unterwelt (Hel). Der Name des Holunders steht nicht nur für die Erdgöttin Frau Holle, sondern auch für das verborgene Völkchen der Zwerge, den Hollen und Hollinnen. Der Holunder zieht nach ländlichem Glauben alles Negative vom gesamten Hof, dem Haus und den Stallungen an. Deswegen hing man eitrige Verbandslappen und ausgefallene Zähne in den Holunder. Auch Kleidungsstücke von „beschienenen“ Kindern (durch Zauber krank gemachte) vergrub man unter dem Holunder, um diesen Zauber in den Holunder zu verbannen. Allerlei Krankheiten und Gewürm wurden in den Holunder gebannt. Das ist der Grund, weswegen der Hofholunder nicht geschnitten werden darf, die darin gefangenen Krankheiten könnten wieder entweichen und Mensch und Getier des Hofes befallen.

Wenn der Holunder alles zu wucherte und man ihn schneiden musste, opferte man Bier, Mehl und Milch und sagte dazu:

„Altes Mädel, gib mir etwas von deinem Holz und ich gebe dir meine Knochen, wenn ich tot bin.“

So war es z. B.. bei den Friesen Brauch, die Verstorbenen unter dem Holunder zu bestatten.

Gemäss einer Sage erhängte sich Judas, der Verräter Jesus Christus, aus Scham am Holunderbaum. Als Beweis hierfür nahm man das Judasohr, ein glibberiger Baumpilz, bei den Asiaten auch als Mu Err Pilz bekannt, der am Stamm des Holunders wächst.

Der Holunder hat aber zwei Seiten: er ist heilkräftig, blüht weiss. Aber seine Beeren sind schwarz-purpurn. Wie die Holle steht er sowohl für das Leben, als auch für den Tod. Deswegen nahm man früher mit einem Holunderstab Mass für den Sarg oder der Leichenkutscher trieb die Pferde mit einer Holundergerte an.

Auch im Jahresverlauf hatte der Holunder eine besondere Bedeutung. Noch immer werden zur Blüte in der Mittsommerzeit die Blütendolden in Eierkuchenteig gebacken und beim Sonnenwendfeuer gegessen. Es heisst, wer viel davon isst, wird hoch über das Mitsommerfeuer springen können und dann werden auch der Flachs und das Getreide hoch wachsen.

Wurden die Beeren im Herbst schwarz, war es an der Zeit das Wintergetreide auszusähen. Die purpurne Suppe aus den Beeren sollte die Menschen gegen Erkältungen schützen und auf die dunkle Jahreszeit vorbereiten.

Wichtig zu wissen, ist, dass der Holunder vom nördlichen Ostdeutschland bis nach Holland „Flieder“ genannt wird. So spricht man in der volksmedizin auch vom Fliedertee. Damit ist aber nicht ein Tee aus Syringablüten gemeint, denn Syringa ist giftig.

 

 

Holunderbeeren

Holunderblüten

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