Heilpflanzen Herbst: Die Eiche – seit Urzeiten ein kräftiger Heiler

Inhaltsstoffe und Indikationen

 

Unterarten (hauptsächlich in Europa vorkommend):

Sommer bzw. Stieleiche (Quercus robur); Winter- bzw. Traubeneiche (Quercus petraea)

 

Familie:

Buchengewächse (Fagaceae)

 

Sammelgut:

Rinde (cortex) im Frühjahr und Herbst; Frucht (fructus) im September bis Oktober

 

Inhaltsstoffe:

Gerbstoffe, Mineralstoffe, Bitterstoffe; in den Eicheln: 70 % Stärke und Zucker, 6 % Eiweiss

 

Anwendungsgebiete:

Entzündliche Hauterkrankungen; unspezifische, akute Durchfallerkrankungen, übermässiger Fussschweiss u.v.m.

 

 

Von alten Eichenhainen…

 

Bis zu 50m hoch, mit einem Stammdurchmesser bis zu drei Metern, steht  die Eiche heute meist als altehrwürdiger Laubbaum vereinzelt in der Landschaft.
Dies war nicht immer so, Germanen und Kelten kannten noch geschlossene Eichenwälder, doch im Laufe der Geschichte wurden die Eichenbestände erst durch die Waldweidewirtschaft dezimiert um dann später ganz der Forstwirtschaft zu weichen.

Glücklicherweise ereilte nicht allen Eichen dieses Schicksal, was vielleicht zu einem gewissen Teil der Mystik geschuldet ist, die eine mächtige Eiche umgibt.
Den Germanen galt die Eiche dem Gewitter- und Kriegsgott Donar unterstellt, der seine Eichen bevorzugt mit Blitzen „liebkoste“.

Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen, kannst du Linden grad nicht finden“, sagt ein Sprichwort, was sich auf diese Blitze bezieht.

Eichen wachsen bevorzugt auf Kreuzungspunkten von Wasseradern und bohren sich mit langen Pfahlwurzen in den Boden, was sie zu ausgezeichneten Blitzableitern macht.

Im Gegensatz zur Linde, Esche oder Buche wurde darum auch die Eiche nie zum Hausbaum gemacht, denn einen Blitz- und Donnergott wollte sich niemand ins Haus holen. Abgesehen davon verrottet das gerbstoffreiche Laub nur langsam und wird vom Vieh nicht so gerne gefressen.

Nichtsdestotrotz beherbergt die Eiche viele Tierarten, deren Namensgeber sie auch ist, wie das Eichhörnchen, der Eichelhäher und die Eichengallenwespe.
Die Eichhörnchen und der Eichelhäher sind auch massgeblich am Fortbestehen der Eichen beteiligt, denn die knorrige Eiche kann ihre schweren Früchte kaum dem Wind anvertrauen.

Im Gegensatz zu anderen Laubbäumen biegt sie sich auch nicht anmutig im Wind, sie streckt ihm mehr die Ellenbogen entgegen, und das Rauschen der Blätter ist mehr ein Ringen als ein Schwingen mit dem Wind.

Ihre knorrige Art hat die Eiche zu einem Sinnbild von Zähigkeit und Kraft gemacht, weshalb sie auch manches Wappen schmückt. Hoffen wir, dass sie zäh genug ist, uns noch lange erhalten zu bleiben.

 

 

Tipp

 

Rezept

 

Sammeln Sie Eicheln und stellen Sie Ihren eigenen Eichelkaffee her! Der Helfer bei Durchfall und Verdauungsschwäche!

 

Eichelkaffee

Dazu werden Eicheln geschält, zerkleinert und in einer Pfanne oder im Backofen geröstet, bis sie braun (nicht schwarz) sind und dann zu einem Pulver zerstossen.

Auf eine Tasse kochendes Wasser gibt man einen gestrichenen Teelöffel des Pulvers, nach Geschmack kann mit Zimt und Kardamom gewürzt und Milch hinzugefügt werden.

Der Genuss von Eichelkaffe hilft bei zu starker Menstruation, Verdauungsschwäche, Durchfall und bei Bettnässen.

 

Eichenrindentee

Von der Eiche wird für medizinische Zwecke hautsächlich die Rinde mit ihrem hohen Gerbstoffgehalt verwendet. Obwohl die Eichelfrüchte mehr unter kulinarischen Aspekt verwendet werden, sind sie auf gleiche Weise heilsam.

Für die medizinische Verwendung werden im Frühjahr die jungen Eichenzweige (Durchmesser maximal 6 cm) gesammelt, die Rinde abgeschabt und getrocknet.

Die Eichenrinde (quercus cortex) wirkt zusammenziehend, leicht entzündungshemmend, sekretionshemmend, gewebeverdichtend, keimhemmend, antimykotisch, virustatisch und antioxidativ. Zudem lindert es bei Anwendung auf der Hautoberfläche durch eine leichte lokalanästhetische Wirkung den Juckreiz.

 

Rezept Eichenrindentee

20g getrocknete, zerkleinerte Eichenrinde 1 l kaltem Wasser ansetzen und aufkochen. Sobald das Wasser kocht, Hitze ausschalten und 5-10 min ziehen lassen und dann abgiessen.

Dieser Tee kann als Gurgelwasser bei geschwollenen Mandeln, Angina und zur Festigung des Zahnfleisches verwendet werden.
Als Variation empfiehlt Kräuterpfarrer Künzle auch die Verwendung von gedörrten, zu Pulver zerstossenen Eichenblättern mit Wein vermischt (1 EL Pulver auf 1 l Wein) zum Gurgeln.

 

Innerlich eingenommen kann der Eichenrindentee gegen Durchfall verwendet werden. Ältere Leute können verdünnten Eichenrindentee von Zeit zu Zeit zur Stärkung der Gefässe trinken.

Als Waschung oder als Umschlag kann der Sud zur Behandlung von Hautunreinheiten, fettiger Haut, nässenden Ekzemen (auch Ulcus cruris), Windpocken, übermässigem Fuss- und Handschweiss, Frostbeulen und Drüsenschwellungen verwendet werden.

Bei Verbrennungen 1. Grades (Rötung ohne Blasenbildung, z.B. Sonnenbrand), verschafft eine Waschung mit Eichenrindentee ebenfalls Linderung.

 

Bei grossflächigen Hautschäden sollte keine Anwendung mit Eichenrinde erfolgen!

 

Für die Verwendung in einem Voll- oder Teilbad werden 50g Eichenrinde in 1 l Wasser aufgekocht und das abgesiebte Wasser dem Badewasser zugegeben.

Die Anwendung als Sitzbad hat sich bei Juckreiz des Genito-Analbereichs, z.B. bei Hämorrhoiden, bewährt.

Bei Kindern mit Drüsenschwellungen die unter ständigen Hautausschlägen leiden, tut ein Eichenrindenbad besonders gut.

 

Wegen der gerbenden und austrocknenden Wirkung sollte Eichenrindenzubereitungen nicht länger als 2-3 Wochen angewendet werden!

 

 

Zu früherer Zeit wurden die Eichelfrüchte ebenfalls in der Küche verwendet. Dazu wurde aber erst durch mehrmaliges Waschen den Eicheln die Gerb- und Bitterstoffe entzogen (solange waschen bis das Waschwasser klar bleibt).
Eicheln wurden gemahlen als Streckmehl für Backwaren verwendet und verleihen dem Gebäck eine nussig-herbe Note.
Als bitteres Wildgemüse können die Frühjahrs-Blätter der Eiche gegessen oder getrocknet und gemahlen einem Kräutersalz beigefügt werden.

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